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Wild­cam­pen in Euro­pa — Alles was du Wis­sen musst:

 

Cam­ping, das bedeu­tet Frei­heit, Indi­vi­dua­li­tät und opti­ma­ler­wei­se unge­stör­te Natur fern­ab der Zivi­li­sa­ti­on. Auf einem gut besuch­ten Cam­ping­platz sieht es wäh­rend der Haupt­sai­son häu­fig lei­der ganz anders aus, sodass bei Vie­len schnell der Wunsch nach Wild­cam­pen auf­kommt. Aber, wo und in wel­cher Form ist das in Euro­pa über­haupt noch mög­lich? In die­sem Blog­bei­trag neh­men wir die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten des Wild­cam­pens in Euro­pa, sowie die ent­spre­chen­den Gesetz­ge­bun­gen dazu ein­mal genau­er unter die Lupe und ver­ra­ten dir, wo und wie du in Euro­pa am bes­ten wild campst.

 

 

Was ver­steht man unter Wild­cam­pen eigent­lich genau?

Als Wild­cam­pen wird prin­zi­pi­ell jede Form des Cam­pie­rens in einem Zelt, einem Cam­per­van oder Wohn­mo­bils /-wagens zum Zweck der Über­nach­tung, sowie dem Aus­brei­ten der Cam­ping-Infra­struk­tur (Tische, Cam­ping­stüh­le, Mar­ki­se etc.) bezeich­net, wel­che nicht auf einem expli­zit dafür gedach­ten Platz — wie etwa einem Cam­ping­platz — statt­fin­det. Das Über­nach­ten im Auto an nicht dafür aus­ge­wie­se­nen Plät­zen sowie das Zel­ten in frei­er Wild­bahn zäh­len eben­falls dazu. 

Grund­sätz­lich zu unter­schei­den ist das Wild­cam­pen vom soge­nann­ten Biwa­kie­ren und Lagern: Als Biwa­kie­ren bezeich­net man die Über­nach­tung ohne Zelt oder Fahr­zeug unter frei­em Him­mel oder einem soge­nann­ten Tarp, also einer Zelt­pla­ne ohne Zelt­bo­den, für eine Nacht. Biwa­kie­ren wird in den meis­ten Fäl­len gedul­det, solan­ge man sich nicht auf Pri­vat­grund oder in einem Natur­schutz­ge­biet befin­det. 

Als Lagern bzw. Not­la­gern bezeich­net man den Vor­gang des not­ge­drun­ge­nen Lagerns, um sich zum Bei­spiel nach einer län­ge­ren Fahrt aus­zu­ru­hen und die Fahr­tüch­tig­keit wie­der her­zu­stel­len. Beim Lagern ist dar­auf zu ach­ten, dass man nicht län­ger als zehn Stun­den an einem Ort steht und kei­nen Cam­per­ak­ti­vi­tä­ten nach­geht — also zum Bei­spiel die Mar­ki­se aus­fährt oder Cam­ping­stüh­le und -Tische auf­baut. Cam­ping­an­hän­ger dür­fen beim Lagern außer­dem nicht vom Zug­fahr­zeug abge­kop­pelt wer­den und müs­sen qua­si stets abfahr­be­reit sein. Lagern ist in Deutsch­land gene­rell auf allen öffent­li­chen Rast­plät­zen und Auto­bahn­hö­fen gestat­tet, es sei denn die­se haben expli­zi­te Ver­bots­schil­der für Cam­ping­fahr­zeu­ge. 

Gene­rell gilt: Ver­hal­te dich rück­sichts­voll, hin­ter­las­se kei­nen Müll, respek­tie­re Fau­na und Flo­ra und unter­las­se die Nut­zung von offe­nem Feu­er. Soll­test du beim Wild­cam­pen, Biwa­kie­ren oder Not­la­gern ent­deckt wer­den, so ver­hal­te dich freund­lich und koope­ra­tiv. Damit ent­gehst du meist einer Anzei­ge und/oder emp­find­li­chen Buß­gel­dern. Wenn mög­lich erkun­di­ge dich vor­ab beim Besit­zer der Flä­che, ob du auf sei­nem Grund­stück über­nach­ten darfst. Land­wirt­schaft­lich genutz­te Flä­chen, Natur­schutz­ge­bie­te, Reser­va­te, Land­schafts­schutz­ge­bie­te und Natio­nal­parks sind gene­rell tabu. Auch die deut­schen Küs­ten­ge­bie­te ste­hen unter Schutz, daher darf an deut­schen Strän­den und Dünen grund­sätz­lich nicht cam­piert wer­den. 

Mit einem Dachzelt ist man natürlich besonders flexibel.
Mit einem Dach­zelt ist man natür­lich beson­ders fle­xi­bel.

5 Tipps für erfolg­rei­ches Wild­cam­pen:

  1. Unauf­fäl­lig blei­ben:


    Wer in gro­ßen Grup­pen auf­tritt und sein Lager wild auf­baut oder beim
    Wild­cam­pen lau­te Musik aus dem Ghet­to­blas­ter ertö­nen lässt, ist natür­lich kein gern gese­he­ner Gast und lenkt dem­entspre­chend natür­lich auch mehr nega­ti­ve Auf­merk­sam­keit auf sich. Allei­ne, als Pär­chen oder Klein­fa­mi­lie erweckt man weni­ger Auf­merk­sam­keit und stört ande­re Menschen unter Umstän­den weni­ger oder gar nicht.

  2. Ver­zicht auf offe­nes Feu­er:


    Die Nut­zung von offe­nem Feu­er ist in frei­er Wild­bahn strengs­tens unter­sagt und kann bei Ent­de­ckung emp­find­li­che Geld­stra­fen nach sich zie­hen. Du soll­test also tun­lichst dar­auf ver­zich­ten ein Lager­feu­er zu errich­ten oder dei­nen Grill auf­zu­bau­en. Vor­sicht: Auch gas­be­trie­be­ne Cam­ping­ko­cher wer­den als offe­nes Feu­er defi­niert, dar­um lie­ber auch auf die­sen ver­zich­ten. In Gegen­den mit erhöh­ter Wald­brand­ge­fahr wird ger­ne kon­trol­liert und die anfal­len­den Buß­gel­der sind dem­entspre­chend emp­find­lich hoch.

  3. Schnel­ler Auf- und Abbau und kur­ze Ver­weil­dau­er:

    Wenn man län­ger an einem Ort cam­piert, läuft man erheb­lich mehr Gefahr, ent­deckt zu wer­den und macht die Argu­men­ta­ti­on, man lage­re nur not­ge­drun­gen für eine Nacht, zunich­te. Die Über­nach­tung ohne Zelt wird für eine Nacht fast über­all gedul­det. Eine Aus­nah­me bil­den dabei Ungarn, Tsche­chi­en, Kroa­ti­en, Grie­chen­land und Por­tu­gal: Hier ist das Über­nach­ten außer­halb der Camping­plätze — auch für eine Nacht — grund­sätz­lich ver­bo­ten.  

  4. Den Ort so hin­ter­las­sen, wie man ihn vor­ge­fun­den hat:

    Müll­ber­ge, Essens­res­te und mensch­li­che Hin­ter­las­sen­schaf­ten haben in der Natur selbst­ver­ständ­lich nichts zu suchen und haben nicht nur das Poten­ti­al, die ört­li­che Fau­na und Flo­ra nega­tiv zu beein­flus­sen, son­dern, was den Buß­geld­ka­ta­log angeht, auch ein recht hohes Poten­ti­al. Also: Alle Hin­ter­las­sen­schaf­ten wie­der mit­neh­men, damit der Ort hin­ter­her wie­der genau­so aus­sieht, wie man ihn vor­ge­fun­den hat. Wer oben­drein etwas Gutes tun will, der macht es wie die Japa­ner und nimmt alles an Müll mit, was er fin­det, auch wenn man sel­ber nicht der Ver­ur­sa­cher ist. So bleibt der Ort sau­ber und man kann bei even­tu­el­ler Ent­de­ckung zumin­dest nach­wei­sen, dass man sich vor­bild­lich ver­hal­ten hat.

  5. Ein wenig Empa­thie zei­gen:


    Wenn man sich die ein­fa­che Fra­ge stellt, ob man mit sei­ner Über­nach­tung bzw. dem Auf­schla­gen eines Nacht­la­gers, an einem bestimm­ten Ort jeman­den stö­ren könn­te und die Ant­wort dar­auf “Ja” lau­tet, soll­te man bes­ser wei­ter­zie­hen und einen ande­ren Platz suchen. Denn in Sicht­wei­te von Wohn­ge­bie­ten, vor tou­ris­ti­schen Sehens­wür­dig­kei­ten oder pri­va­ten Geschäf­ten kann man schnell mal als stö­ren­des Ele­ment wahr­ge­nom­men wer­den. Wer sich also ein wenig in ört­li­che Anwoh­ner, Geschäfts­in­ha­ber oder Grund­stücks­be­sit­zer hin­ein­ver­setzt, läuft nicht so schnell Gefahr, als Stö­ren­fried iden­ti­fi­ziert zu wer­den und bekommt auch nicht so schnell Ärger mit den Ord­nungs­hü­tern.

Biwakieren unter freiem Himmel
Biwa­kie­ren unter frei­em Him­mel

Wild­cam­pen in Euro­pa — Eine gro­be Über­sicht der unter­schied­li­chen Geset­zes­la­gen im euro­päi­schen Aus­land :

Grund­sätz­lich gel­ten in jeder Regi­on ande­re regio­na­le Vor­schrif­ten und Geset­ze, an die es sich zu halten gilt und die den Umgang mit Wild­cam­pern regeln. Auch wenn es in einem Land also grund­sätz­lich erlaubt sein soll­te, frei ste­hend zu cam­pie­ren, haben die­se regio­na­len Vor­schrif­ten im Zwei­fels­fall Vor­rang und soll­ten immer ein­ge­hal­ten wer­den. 

Hier ist Wild­cam­pen grund­sätz­lich erlaubt: 


Schwe­den, Finn­land, Nor­we­gen:

Hier gilt das soge­nann­te Jeder­manns­recht, wel­ches besagt, dass ein Stück Land zwar einer Per­son gehö­ren kann, die­ses aller­dings Jeder­mann zur Ver­fü­gung ste­hen muss. Wer hier dar­auf ach­tet, sein Lager nicht in Sicht­wei­te vom Pri­vat­haus des Grund­stücks­be­sit­zers auf­zu­schla­gen, soll­te auf der siche­ren Sei­te sein. Da sich die Regeln hier­bei auf eine Über­nach­tung bezie­hen, soll­test du bei län­ge­rem Auf­ent­halt bes­ser den Besit­zer um Erlaub­nis fra­gen. Auch hier gilt natür­lich, dass man sich ordent­lich benimmt und sei­nen Müll ord­nungs­ge­mäß ent­sorgt. Da das Jeder­manns­recht in ers­ter Linie für Wan­de­rer gilt, musst du beim Wild­cam­pen mit dem Cam­per­van trotz­dem eini­ge Din­ge beach­ten: Du darfst, solan­ge du den Ver­kehr nicht behin­derst, auf öffent­li­chen Park­plät­zen, an Stra­ßen­rän­dern und Sack­gas­sen mit dei­nem fahr­ba­ren Unter­satz über­nach­ten. Ein Über­nach­ten mit dem Cam­per­van im Wald ist lei­der auch hier ver­bo­ten.

Schott­land:

Als ein­zi­ges Land im Ver­ei­nig­ten König­reich bie­tet Schott­land Cam­pern eine Oase zum Wild­cam­pen: Mit dem Zelt darf hier bis zu drei Tage am Stück wild über­nach­tet wer­den. Mit dem Cam­per­van darf, solan­ge ein Min­dest­ab­stand von 14m zur Stra­ße ein­ge­hal­ten wird, frei gecampt wer­den. Genau­so wie in Skan­di­na­vi­en darf nicht in Sicht­wei­te von Pri­vat­häu­sern über­nach­tet wer­den.

Lett­land, Litau­en und Est­land:

Hier darf über­all außer­halb geschlos­se­ner Ort­schaf­ten über­nach­tet wer­den. Es sei denn, expli­zi­te Ver­bots­schil­der wei­sen auf ein spe­zi­el­les Cam­ping­ver­bot hin.

Öster­reich:

Bis auf die Ver­bots­zo­nen Tirol und Wien sowie einem gene­rel­len Cam­ping­ver­bot in Natur­schutz­ge­bie­ten kann — zumin­dest für eine Nacht — fast über­all pro­blem­los cam­piert wer­den.

Schweiz:

Hier muss auf expli­zi­te Ver­bots­schil­der geach­tet wer­den. Außer­dem ver­fü­gen ein­zel­ne Kan­to­ne über unter­schied­li­che Rechts­la­gen. Es emp­fiehlt sich, sich recht­zei­tig vor Anbruch des Abends über die jeweils gül­ti­ge Geset­zes­la­ge zu infor­mie­ren, damit man eine Über­nach­tungs­mög­lich­keit fin­det, bevor die Dun­kel­heit anbricht.

 

Hier ist Frei ste­hen für eine Nacht grund­sätz­lich erlaubt:  


Bel­gi­en:

Zum Zwe­cke der Her­stel­lung der Fahr­tüch­tig­keit kann hier eine Nacht am Stra­ßen­rand über­nach­tet wer­den.

Spa­ni­en:

Auch in Spa­ni­en ist eine Über­nach­tung im Fahr­zeug zur Her­stel­lung der Fahr­tüch­tig­keit erlaubt.

Ita­li­en:

In Ita­li­en muss man sehr auf die regio­na­len Ver­bots­schil­der und Gebo­te ach­ten, grund­sätz­lich wird das frei ste­hen für eine Nacht aber tole­riert.

Deutsch­land:

Solan­ge man kei­nen Cam­ping­ak­ti­vi­tä­ten (Mar­ki­se auf­bau­en, Gril­len, Auf­bau von Cam­ping­stüh­len/-tischen etc.) nach­geht und nicht län­ger als 10 Stun­den an einem Ort ver­weilt, kann auch in Deutsch­land für eine Über­nach­tung wild gestan­den wer­den. 

 

 

Übernachtung im Wald
Über­nach­tung im Wald

Alter­na­ti­ven zum Wild­cam­pen:

  1. Zelt­plät­ze von Ver­ei­nen und Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen:

     

    Oft besteht neben dem Besuch eines klas­si­schen Cam­ping­plat­zes die Mög­lich­keit, auf Zelt­plät­zen von Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen (z.B.: Pfad­fin­der­la­ger, Zelt­platz vom Schüt­zen­ver­ein etc.) oder Ver­ei­nen zu über­nach­ten. Gera­de wäh­rend der Schul­ter- und Neben­sai­son wer­den die­se nicht all­zu oft fre­quen­tiert und haben dar­über hin­aus oft­mals den Vor­teil, dass sie über eini­ge Infra­struk­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen, wie etwa sani­tä­ren Anla­gen, Duschen oder Grill­plät­ze ver­fü­gen, die man mit­be­nut­zen kann.

  2. Pri­va­te Bau­ern­hö­fe und Grund­stü­cke:

     

    Kennt man das Ziel oder zumin­dest die Ziel­re­gi­on sei­ner Rei­se, lohnt es sich, im Vor­fel­de ein wenig zu recher­chie­ren, ob es in der Nähe geeig­ne­te Grund­stü­cke zum Über­nach­ten gibt, die Besit­zer zu recher­chie­ren und ein­fach mal freund­lich anzu­fra­gen. Mit etwas Glück hast du so die Mög­lich­keit in einem Apfel­hain oder an einem Wein­berg zu ste­hen — ganz allei­ne und ohne spies­si­ge Cam­ping­platz­re­geln. Unter dem Link

    http://www.bauernhofcamping.info fin­dest du zum Bei­spiel eini­ge net­te Bau­ern­hö­fe. Auch das Online­por­tal https://www.landsichten.de bie­tet eine Viel­zahl geeig­ne­ter Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten an. Auch unter https://landvergnuegen.com/ fin­dest du deutsch­land­weit über 600 ver­schie­de­ne Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten abseits des Cam­ping­plat­zes. Das Netz­werk https://ecocamping.de/ lis­tet auf sei­ner Web­site eben­falls vie­le klei­ne­re natur­na­he Camping­plätze in Deutsch­land. Soll­test du außer­halb von Deutsch­land unter­wegs sein, so hel­fen dir die Por­ta­le https://coolcamping.com/campsites , https://www.kleinecampingplaetze.de/ sowie https://www.charmecamping.de/kategorie/kleine-campingplaetze/ bei dei­ner Suche nach klei­ne­ren und ruhi­ge­ren Stell­plät­zen mit dem gewis­sen Charme. Beson­ders prak­tisch wenn du bereits unter­wegs bist: Die App Park4Night (https://park4night.com/): Hier fin­dest du vom klei­nen Cam­ping­platz und natur­na­hen Stell­plät­zen, über Park­plät­ze, an denen das Über­nach­ten erlaubt ist, bis hin zu idyl­li­schen Wald­park­plät­zen, an denen Cam­ping nicht expli­zit ver­bo­ten ist, alles, was das Herz begehrt.

Auch Weinberge laden mitunter zum Campen ein
Auch Wein­ber­ge laden mit­un­ter zum Cam­pen ein

Fazit: 

Auch wenn das Wild­cam­pen fast nir­gends in Euro­pa mehr ohne Ein­schrän­kun­gen mög­lich ist, so kann man mit etwas Vor­be­rei­tung und guter Pla­nung immer noch eine tol­le Zeit in der Natur genies­sen. Wenn man sich an die ört­li­chen Rege­lun­gen hält und ein wenig Rück­sicht auf Land und Leu­te nimmt, bie­tet Euro­pa dem geneig­ten Cam­per immer noch eini­ge tol­le Rück­zugs­or­te in der frei­en Wild­bahn.

Soll­test du nach dem Lesen die­ses Bei­tra­ges immer noch Schwie­rig­kei­ten bei der Aus­wahl dei­nes Urlaubs­zie­les haben, so unter­stützt dich das VAN­TO­PIA-Team vor dei­ner Rei­se natür­lich ger­ne mit Emp­feh­lun­gen und Tipps. 

Auf­grund sich stän­dig ändern­der Geset­zes­la­gen sind alle Tipps und Hin­wei­se zu Geset­zen und Vor­schrif­ten ohne Gewähr.